BRENNEREI SCHROLL

Brennen, wo andere Urlaub machen

Mitten zwischen Schloss Neuschwanstein, Schloss Hohenschwangau und dem Forggensee im beschaulichen Schwangau liegt die noch recht junge Brennerei Schroll.
Dort, wo normalerweise Touristen Fotos von den bayrischen Königsschlössern knipsen oder Wanderer und Bergsteiger den Tegelberg erklimmen, hat sich Brenner Michael Schroll mit seiner Brennerei einen lange gehegten Traum erfüllt.
Und bei all dem, was Michael anpackt, spürt man den großen Anspruch an Qualität und Nachhaltigkeit: Sei es bei der besonders sorgfältigen Auswahl der Zutaten für die Liköre, Geister und Brände, oder beim Betrieb der Brennerei durch regenerative Energien.

Periodensystem der Genüsse

Der hohen Qualitätsanspruch zeigt sich bereits, wenn man die Flaschen betrachtet, in der die Brennerei Schroll ihre Erzeugnisse abfüllt. Angelehnt an das Periodensystem der Elemente, bekannt noch aus dem Chemieunterricht der Schulzeit, tragen hier die verschiedenen Destillate und Liköre ein Zeichen sowie einen lateinischen Namen. Die Etiketten wurden mit viel Liebe zum Detail kreiert – ein Design, das in Michael Schrolls schönem Schwangau in einem langen und intensiven Abstimmungsprozess entstanden ist, wie der Brenner betont.
Das hat sich anhand der hohen Wertigkeit sichtlich gelohnt: Schon beim ersten Anblick der Flaschen freut man sich darauf, den Inhalt zu verkosten. Und so viel kann ich schon vorwegsagen: Enttäuscht werdet ihr nicht.
Denn auch in den Spirituosen selbst setzt sich der hohe Qualitätsanspruch von Michael fort.
Neben verschiedenen Geistern und Bränden stellt die Brennerei Schroll einige Liköre und –vermutlich derzeit die zwei größten Kassenschlager – den Schwangau Dry und den Royal Gin her.

Kleine Auswahl des Sortiments der Brennerei Schroll

Tasting im Brauereikeller

Bei meinem Besuch im August hatte ich das große Glück, mich ein bisschen durch das Sortiment der Brennerei probieren zu dürfen.

Schwangau Dry und Royal Gin:

Beim Schwangau Dry Gin setzt Brenner Michael Schroll auf Tradition. Er beruft sich auf einen klassischen London Dry Gin: Der braucht keinen großen Schnickschack, sondern ist ein geradliniger ehrlicher Dry Gin, perfekt mit Mediterrean Tonic Water von Fever Tree. Besonders gut gefällt mir die starke Wacholdernote im Zusammenspiel mit einem Anflug von frischen Zitrusfrüchten.

Ein ganz anderes Kaliber ist der Schwangau Royal Gin. Das ist ihm schon mit bloßem Auge anzusehen: Wie auch der The Illusionist Gin aus München oder der Clitoria Dry Gin der Brennerei Stocker weist der Royal aus dem Hause Schroll eine tiefblaue Färbung auf.
Wird der Gin mit Tonic Water vermischt, verändert sich die Farbe zu einem sanft dunklen Rosaton.
Neben dem farblichen Highlight sticht der Schwangau Royal Gin geschmacklich heraus – vor allem für diejenigen, die auf floralere Noten stehen. Mit leichten Hibiskus- und Kräuteraromen in Kombination mit würzigem Rosmarin gefällt er mir persönlich sogar noch ein Stückweit besser als der Schwangau Dry Gin.

Geister Brände und Liköre:

Wie auch schon beim Gin spinnt sich hier ein roter Faden durch das gesamte Sortiment. Man schmeckt bei jedem einzelnen Schluck den hohen Qualitätsanspruch der Macher!

Besonders fasziniert hat mich der Vogelbeer Geist der Brennerei. Eine lokale Spezialität, die aus den roh ungenießbaren Vogelbeeren gebrannt wird. „Zur Vogelbeere greift normalerweise niemand, wenn Sie einfach im Regal steht“, erzählt Brenner Michael Schroll. „Haben wir sie aber in einer Verkostung und erklären, was das ist, sind alle ganz wild darauf und probieren gerne noch ein zweites Glas.“
Das kann ich nachvollziehen. Vogelbeer Geist war für mich bisher nie besonders reizvoll und hätte wahrscheinlich auch in meiner Bar Staub angesetzt. Aber Michael hat mir gezeigt, dass mit dem nötigen Ehrgeiz und einem guten Riecher ein wirklich tolles Produkt aus den unscheinbaren orangenen Beeren werden kann. Mir sind bereits bei der Verkostung einige Cocktail-Variationen durch den Kopf geschossen, die ein solcher Geist bereichern würde.

Natürlich hat Michael auch für alle Bierfans etwas auf Lager. Aus dem Weißbier der Brauerei, die sich direkt über der Brennerei befindet, brennt er einen Weißbierbrand, der geschmacklich seinesgleichen sucht!
Vor allem der leicht malzige Geschmack mit einer gelungenen Hopfennote hat mich als Bierbrand-Skeptiker sofort überzeugt. Auch hier konnte ich nicht anders und habe meine Kreativität ein bisschen spielen lassen: In meinem gedanklichen Rezeptbuch tauchten gleich Ideen für Kreationen wie Biergarten Fizz oder Bayrisch Martini auf.

Was mich sehr überrascht hat, war der Schroll´sche Kräutergeist. Hier nutzt die Brennerei lediglich den in den Pflanzen enthaltenen Zucker und gibt selbst keine Mittel zum Süßen hinzu. Anis, Kümmel und Wacholder bilden so eine wirklich intensive, aber trotzdem erfrischende Komposition an Zunge und Gaumen.

Destille der Brennerei Schroll

Schatzkammer auf 1700m

Das Highlight der Brennerei findet sich allerdings nicht im Brennerei-Keller – ganz im Gegenteil. 2017 hat sich Michael Schroll den Traum eines außergewöhnlichen Warehouses zur Lagerung von Whisky, Brandy und Bierbrand erfüllt.
Auf dem Tegelberg, in dessen Schatten das Schloss Neuschwanstein liegt, knapp unterhalb der Bergstation der Tegelbergbahn, liegt eine kleine unscheinbare Hütte. In ihrem Innern lagern bisher zehn Fässer mit Bränden aus Michaels Brennerei: Sieben davon beinhalten Whisky aus bayrischem Malz und Rauchmalz, drei lassen Brandy reifen. Er verrät mir, dass dies aber noch nicht alles ist, was hier in der Schatzkammer reifte. Ein Apfel- und ein Bierbrand reiften bereits in der luftigen Höhe und stehen kurz vor der Abfüllung. Und in den kommenden Monaten soll hier auch noch ein eigener Rum einen Platz bekommen – da lässt sich Michael alle Möglichkeiten offen.

Whiskyfässer der Brennerei Schroll

Nach circa eineinhalb Jahren in den Fässern schmeckt der „Whisky“ (der natürlich erst nach dreijähriger Lagerung so heißen darf) bereits sehr intensiv. Die schmackhaften Holznoten geben eine Ahnung davon, wie schwer die Fässer auf 1700m Höhe arbeiten. Denn hier oben schwankt die Temperatur zwischen -20°C im Winter und +20°C im Sommer. Das hat auch Nachteile: Nicht nur die Flüssigkeit im Fass, sondern vor allem der Alkohol geht verloren. Mit ca. 65 Vol. % 2017 in die Fässer gefüllt, hat der Schwangau Whisky vermutlich jetzt schon 5 Vol.% verloren. Gleichzeitig ist das genau das, was Brenner Michael erreichen will: Einen ganz besonderen Whisky für eine ganz besondere Region.

Und ganz ehrlich, wer würde nicht bei einer so phänomenalen Aussicht arbeiten wollen?